Heros-Prozess Eine Million Euro Schadenersatz (Hamburger Abendblatt)

21.09.2007

Heros-Prozess Eine Million Euro Schadenersatz
Versicherung muss zahlen
Supermarkt-Kette Netto gewinnt vor Hamburger Landgericht. Urteil gilt als Präzedenzfall.
Von Christian Denso


Das Geldtransportunternehmen Heros müsste nach betrügerischen Machenschaften des Managements Insolvenz anmelden. Foto: dpa


Hamburg -
Erstmals hat jetzt ein deutsches Gericht einem von der Insolvenz des größten deutschen Geldtransportunternehmens Heros betroffenen Unternehmen einen Schadenersatzanspruch zugebilligt. Vier Monate nachdem die vier Hauptverantwortlichen der spektakulären Pleite zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren, entschied gestern das Landgericht Hamburg, dass der Heros-Versicherer, die Mannheimer Versicherung, der Supermarkt-Kette Netto die Gelder plus Zinsen ersetzen muss, die von Heros-Mitarbeitern veruntreut worden waren (Az.: 409 O 53/06).

Das Urteil der 9. Kammer des Landgerichts war die letzte Entscheidung, die der Vorsitzende Richter Harald Wendt am Ende von 34 Berufsjahren gestern am Sievekingplatz verkündete. Sie könnte womöglich weitreichende Folgen bis zur endgültigen Klärung durch den Bundesgerichtshof haben: Die Hamburger Entscheidung gilt als Präzedenzfall, da jetzt sehr wahrscheinlich noch weitere Heros-Kunden wie Rewe, Edeka, Metro oder die Deutsche Bank gegen die Mannheimer Versicherung klagen werden - der Beginn einer Prozesswelle? So hatten mehrere Großkanzleien gestern Vertreter in Saal B 150 geschickt, um die Entscheidung zu verfolgen. Der Hamburger Anwalt Benjamin Grimme, der Netto vertrat, begrüßte denn auch die Entscheidung: "Das gibt Hoffnung für die weiteren Geschädigten."

Im Kern geht es bei den rechtlichen Auseinandersetzungen um die Reichweite der Versicherung, die Heros bei der Mannheimer abgeschlossen hatte. Die Mannheimer lehnt unter anderem Ansprüche von Heros-Kunden ab, weil nur der Transport von Bargeld versichert gewesen sei, nicht aber das Risiko von späteren Veruntreuungen bei Überweisungen. Das sah die Kammer anders: Sämtliche Risiken seien durch die Police abgedeckt. Das Argument der Versicherung, sie sei selbst durch Heros arglistig getäuscht worden, sei nicht stichhaltig.

Durch den Betrugsskandal beim ehemals größten deutschen Geldtransporteur sollen insgesamt mehr als 1000 Firmen geschädigt worden sein. Ende Mai waren Firmengründer Karl-Heinz Weis sowie drei Manager vom Landgericht Hildesheim wegen Untreue zu Haftstrafen zwischen sechseinhalb und zehn Jahren verurteilt worden. Die Manager hatten jahrelang hohe Summen, die ihnen von den Kunden anvertraut worden waren, unterschlagen und ihre Kunden so um insgesamt 469 Millionen Euro betrogen, wie das Gericht feststellte. Zuletzt ging es in dem erstinstanzlichen Hamburger Verfahren noch um die Zahlung von 1,8 Millionen Euro an Einnahmen des Discounters Netto.

Die Mannheimer Versicherung kündigte wie erwartet Rechtsmittel an. Sprecher Jürgen Wörner sagte dem Abendblatt:"Das Urteil ist für uns nicht nachvollziehbar, aber es überrascht uns nicht." Man erwarte bei zwei weiteren Verfahren in Sachen Heros in Hannover für den Herbst einen anderen Prozessausgang.

erschienen am 21. September 2007 (Hamburger Abendblatt)