Poker um Rovema - IG Metall sieht Zukunft optimistisch (Gießener Anzeiger)
03.02.2010
Klaus RötherANNEROD. "Für Rovema bin ich hinsichtlich des Weiterbestehens der Firma eher optimistisch", sagte Gewerkschaftssekretär Rainer Gotthardt gestern dem Anzeiger auf Anfrage. "Die Auftragssituation ist nach wie vor gut, und die Kunden haben Vertrauen in die Firma. Aber wie lange geht das noch?" Deshalb hofft der IG Metall-Funktionär, dass bald ein solider Käufer das insolvente Unternehmen übernimmt. Denn inzwischen gibt es auch Bestrebungen, Rovema-Fachkräfte abzuwerben. Nach Gotthardts Einschätzung gibt es für den Anneröder Hersteller von Verpackungsmaschinen drei oder vier ernsthafte Kaufinteressenten. Aber die potentiellen Käufer wollten Stellen abbauen - "einige davon sehr deutlich". Derzeit werde von den möglichen Käufern "wirklich gepokert; sie wollen die Firma günstig kriegen, mit möglichst wenig Beschäftigten. Keiner geht richtig aus der Deckung". IG Metall-Funktionär Gotthardt: "Das macht den Betriebsräten natürlich Kopfzerbrechen." Zudem sei teilweise auch bei der Finanzierung der Firmenübernahme "noch ein Häkchen dabei". Er hoffe deshalb, dass noch weitere Angebote auf den Tisch kommen. Auf alle Fälle, so der IG Metall-Sekretär, "geht es jetzt in die heiße Phase: Die Frage ist, wie sehen die Verträge aus, die mit den Kaufinteressenten geschlossen werden können".
Nachdem das ordentliche Insolvenzverfahren über den Anneröder Verpackungsmaschinen-Hersteller eröffnet worden ist, führt Insolvenzverwalter Dr. Jan Markus Plathner (Frankfurt) das Unternehmen weiter. Das von der Gießener Agentur für Arbeit drei Monate lang an die rund 450 Mitarbeiter gezahlte Insolvenzausfallgeld ist Ende Januar ausgelaufen.
Nun könnte die Arbeitsagentur Rovema notfalls weiterhin durch die Zahlung von Kurzarbeitergeld finanziell unter die Arme greifen - sofern dies erforderlich werden sollte. Gewerkschafter Gotthardt: "Kurzarbeitergeld wird aber nur genehmigt, wenn es eine gute Prognose für das Fortbestehen der Firma gibt."
Ausgesprochen schwierig ist die Situation derzeit nach den Worten des IG Metall-Funktionärs "für die Mitarbeiter,denn die bekommen alles nur am Rande mit". Deshalb sollte möglichst in den nächsten Tagen eine Betriebsversammlungstattfinden, um den "Stand derDinge" zu erläutern. Nach Kenntnis des Gewerkschaftssekretärs erhalten Rovema-Mitarbeiter bereits Stellenangebote "von außerhalb". Deshalb befürchtet er: "Wenn die richtigen Leute dort weggehen, wird's für die Firma schwierig."
Den grundsätzlichen Optimismus, den Rainer Gotthardt hinsichtlich der weiteren Entwicklung bei dem Anneröder Unternehmen hegt, kann er für die ebenfalls insolvente Butzbacher Rovema-Tochterfirma Hassia-Piltz GmbH mit rund 60 Mitarbeitern nicht so recht aufbringen. "Dort gibt es durch teilweise Eigentumsrechte des Alteigentümers, die erst im Januar bekannt geworden sind, eine neue Situation.
"Deshalb höre er mitunter die Meinung der Verantwortlichen: "Wir müssen erst die Sache bei Rovema klären." Er fürchte, so Gotthardt: "Bei Hassia dauert das noch lange." Derzeit ist bei der Butzbacher Tochterfirma Kurzarbeit angesagt.
Der international renommierte Verpackungsmaschinenhersteller Rovema hatte Anfang November 2009 den Insolvenzantrag gestellt, obwohl sich die Auftragslage laut Firmenangaben nach einer vorübergehenden Flaute seinerzeit positiv entwickelte. Zuvor waren die Verhandlungen mit Banken und Kreditversicherern über die Fortführung der Kreditlinien gescheitert.
