PRESSEMITTEILUNG
Bohai: Keine Einigung der potentiellen Investoren mit den Hauptauftraggebern
Abzug von Aufträgen aus Harzgerode und Sömmerda angekündigt, Insolvenzverwalter muss mit der Planung einer Ausproduktion beginnen
Seit Einleitung der Insolvenzverfahren vor über einem Jahr führt der vom Amtsgericht Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt bestellte Insolvenzverwalter Olaf Spiekermann die Geschäftsbetriebe aller vier Gesellschaften des Bohai Konzerns mit knapp 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Harzgerode und im thüringischen Sömmerda fort. Die Anforderungen mehrerer Automobil- und Automobilzuliefererkonzerne an die Produktion von Getriebe-, Fahrwerks- und Karosserieteilen werden seitdem erfüllt. Die vier Unternehmen wurden mit Hilfe finanzieller Ausgleichszahlungen der Hautauftraggeber in deutlich zweistelliger Millionenhöhe stabilisiert. Durch Konzentration der Kapazitäten an die aktuelle Marktnachfrage, die potenzielle Vollintegration der bisher fremdvergebenen Schmelzerei sowie die Einbindung von Bearbeitungskompetenzen sieht eine vom Insolvenzverwalter erarbeitete Zukunftslösung ein entlang der Wertschöpfungskette vollintegriertes, wettbewerbsfähiges Unternehmen vor. Entscheidend hierfür ist aber die Zustimmung der Kernkunden und deren Bekenntnis zu den jahrzehntelang verlässlichen Standorten.
Parallel hat Rechtsanwalt Olaf Spiekermann seit fast einem Jahr einen internationalen Verkaufsprozess durchgeführt, an dem sich zahlreiche branchenerfahrene, international vernetzte und strategische Investoren beteiligt haben. Bis zum heutigen Tag zeigen drei namhafte Unternehmen aus dem Automotive-Bereich Interesse und stehen für eine dauerhafte Fortführung der Geschäftsbetriebe zur Verfügung. In den vergangenen Jahren haben diese potentiellen Übernehmer bereits insolvente Betriebe der Branche übernommen und erfolgreich fortgeführt. Mit diesen Interessenten fanden in den letzten Monaten zahlreiche Gespräche statt, in denen das Land Sachsen-Anhalt und die Stadt Harzgerode sowie weitere Institutionen verbindliche größtmögliche Unterstützung für die Zukunft erklärt haben.
Allerdings ist es bis zum heutigen Tag nicht zu einer Einigung zwischen den potentiellen Übernehmern und den wesentlichen Bohai-Auftraggebern gekommen. Ende vergangener Woche wurde dem Insolvenzverwalter nunmehr von der Hauptauftraggeberin mitgeteilt, dass wesentliche, bislang in Harzgerode und Sömmerda gefertigte Teile ab Herbst abgezogen werden.
Da ohne diese Arbeit beide Standorte von Bohai in Harzgerode und Sömmerda nicht überlebensfähig sind, muss der Insolvenzverwalter nunmehr mit der Planung einer Ausproduktion in beiden Werken beginnen. Die endgültige Entscheidung hierüber haben allerdings die vier Gläubigerausschüsse zu treffen, welche sich hierfür wahrscheinlich Ende der kommenden Woche erneut treffen werden.
Über diese negative Entwicklung informierte der Insolvenzverwalter heute Morgen die vier Gläubigerausschüsse sowie die wesentlichen Auftraggeber. Am heutigen Nachmittag werden von Olaf Spiekermann die knapp 700 Arbeitnehmer in Harzgerode (13 Uhr) und Sömmerda (15 Uhr) informiert. Sofern es in den kommenden Tagen nicht noch zu einer Veränderung dieser Situation kommt, werden in weiteren, mit Bohai wirtschaftlich verbundenen Unternehmen im Harz weitere 650 Arbeitsplätze betroffen sein.
Harzgerode / Sömmerda, 27. April 2026
Pressekontakt des Insolvenzverwalters:
Schellenberg & Kirchberg PR
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